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Neuerkrankungen mit dem MERS-Corona-Virus

In den letzten Wochen wurden auf der arabischen Halbinsel immer mehr Neuerkrankungen mit dem MERS-Corona-Virus festgestellt.

Auch in Deutschland sind einige eingeschleppte Fälle nachgewiesen worden.
Bei Verdachtsfällen und bestätigten Fällen müssen besondere Maßnahmen zur Steigerung der Hygiene und zur Vermeidung der Übertragung auf andere Personen berücksichtigt werden. So sollte beispielsweise das Personal neben gesteigerten Basishygienemaßnahmen Atemschutzmasken (FFP1/FFP2) verwenden. Das RKI verweist zusätzlich auf Hygienemaßnahmen entsprechend den Empfehlungen für Erkrankungen durch das SARS-Virus, die auch hier zur Infektionsprävention beitragen. („Empfehlungen des Robert Koch-Instituts für die Hygienemaßnahmen und Infektionskontrolle bei Patienten mit SARS“).

Hintergrundinformationen zum MERS-Coronavirus (MERS-CoV)

Im September 2012 wurde erstmals der Fall einer MERS (Middle east respiratory syndrom)-Coronavirusinfektion beschrieben. Hierbei handelte es sich um einen männlichen Patienten in Saudi Arabien der aufgrund einer Pneumonie mit akutem Nierenversagen in einer Klinik behandelt werden musste. Wenig später wurde ein zweiter Patient mit ähnlicher Symptomatik in Qatar auffällig, der kurz zuvor in Saudi Arabien war und sich dann zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus in Großbritannien begab.

Seither wurden immer mehr Fälle von MERS-CoV berichtet, mehrere Infektionscluster konnten identifiziert werden. Die Infektionen treten v.a. auf der arabischen Halbinsel auf bzw. bei Patienten die sich dort vorher aufhielten. Zunächst wurden Fallzahlen von monatlich 5-10 Neuerkrankungen festgestellt, aktuell kam es jedoch zu einem Anstieg auf über 100 Neuerkrankungen im April 2014. Hierbei sind insbesondere sekundäre Fälle nach Kontakt mit infizierten Personen zu nennen. Darunter war auch medizinisches Personal i.R. von einer Infektion in einer Pflegeeinrichtung betroffen. Als Teil der Krankheitsentwicklung wird eine Zoonose angenommen, wobei Dromedare die Infektionsquelle zu sein scheinen. Die Primärfälle hatten zu diesen Tieren häufig Kontakt.

MERS-CoV ist den Betacoronaviren zuzurechnen. Genetisch hat das Virus eine hohe Ähnlichkeit zu Coronaviren die vornehmlich Fledermäuse infizieren. Das Oberflächenprotein DPP4/CD26 auf bronchialen Epithelzellen fungiert als Eintrittspforte für das Virus.

Die Erkrankung beginnt mit Grippe-ähnlichen Symptomen. Im weiteren Verlauf kommt es meist zu einer schweren Pneumonie mit der Ausbildung eines ARDS. Viele der nachgewiesenen Fälle waren auch mit gastrointestinalen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Diarrhoen assoziiert. Weitere Komplikationen manifestieren sich v.a. im Herz-Kreislauf-System mit Perikarditis und Gerinnungsstörung (DIG). Diese sind neben der respiratorischen Dekompensation mitverantwortlich für die hohe Letalität dieser Infektionserkrankung (ca. 30%). Der aktuellen Studienlage zufolge haben vermutlich Patienten mit Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Hypertonie, chronische Herzerkrankung oder Nephropathie ein erhöhtes Risiko für einen fulminanten Verlauf.

Bei Verdachtsfällen sollte eine labordiagnostische Bestätigung mittels rRT-PCR von respiratorischen Materialien wie Sputum, Trachealsekret oder BAL erfolgen. Ergänzend sollte ein direkter Erregernachweis aus Rachenabstrich, Stuhlproben u./o. Rektalabstrich, sowie ein serologischer Nachweis angestrebt werden.
Für Deutschland besteht laut den Angaben des Auswertigen Amtes derzeit kein direkt erhöhtes Erkrankungsrisiko für MERS-CoV-Infektionen. Bei Personen mit o.g. Symptomatik und positiver Reiseanamnese für die arabische Halbinsel muss jedoch an eine MERS-CoV-Infektion gedacht werden. Insbesondere Patienten mit Komorbiditäten und Immunsupprimierte können betroffen sein. Als Hilfestellung bei Verdachtsfällen ist die für Deutschland gültige Falldefinition des Robert-Koch-Institutes zu beachten (http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/MERS_Coronavirus/Corona_Falldefinition.pdf?__blob=publicationFile).

Weitere Informationen und aktuelle Meldungen sind den Seiten des Robert-Koch-Institutes und des Auswärtigen Amtes zu entnehmen.